Oma Gertrud macht Kinder an Karneval glücklich

Hackenbroicherin strickt und häkelt leidenschaftlich gerne
Oma Gertrud macht Kinder an Karneval glücklich
So werden Brücken abgebaut: Die Hackenbroicherin Gertrud Schmitz strickt und häkelt quasi „dorfübergreifend“. An Rosenmontag nämlich werden ihre selbst gemachten Tierchen während des Karnevalumzuges im Bergdorf verteilt. Wie jedes Jahr werden die Werke bereits sehnsuchtsvoll von den Kindern erwartet.
Wenn eines nicht sicher ist vor der 80-Jährigen, dann ist das Wolle. Mit Begeisterung strickt und häkelt Gertrud Schmitz beinahe tagtäglich in ihrem Wohnzimmer. Daher sammelt sie im ganzen Haus das Garn, aus dem sie dann Pullover, Kissenhüllen, Patchworkdecken und vor allem aber ihre beliebten Tierchen macht. Bereits drei große Müllsäcke hat die rüstige und stets gut gelaunte Dame mit Schweinchen, Katzen, Häschen und Hampelmännern gefüllt. Sogar Entchen gibt es. Aber nicht irgendwelche, sondern solche, deren Körper ein Stück wohlriechende Seife ausfüllt. Sie sind sozusagen „dufte“ Enten. 120 Tierchen hat sie alleine in den vergangenen Monaten fertig gestellt. Das hat sich mittlerweile im Dorf rumgesprochen und so kommt es gar nicht so selten vor, dass Oma Getrud Wollspenden bekommt. Ihr Sohn Jörg, der aktiv im Gohrer Karneval ist, verteilt jedes Jahr mit seiner Fußtruppe die bunten Tiere während des Montagsumzuges. „Die sind total heiß begehrt“, erklärt er. Die Tiere werden nicht geworfen, sondern den Kindern am Straßenrand in die Hand gegeben. „Wenn dann ein Kind keins bekommt, ist das schon mal mit Tränen verbunden“, so der Sohn. Mittlerweile sponsert die Gohrer Fußtruppe Oma Gertrud das Füllmaterial für die ganzen Püppchen und auch die Augen, sonst wäre das zu teuer. Schon mit fünf Jahren hat Gertrud Schmitz mit dem Stricken angefangen, das sei so etwas wie ein Generationenvirus. „Schon meine Mutter und auch Großmutter haben gestrickt, was das Zeug hält. „Sie ist quasi mit Stricknadeln in der Hand zur Welt gekommen“, lacht Schmitz. Ihr Mann habe oft gesagt: „Du hast mehr Wolle im Haus als ein Fachgeschäft.“ Der Mann lebt inzwischen nicht mehr, die Liebe zur Handarbeit ist aber nach wie vor ungetrübt, trotz Arthrose in den Fingern, die sie schon mal zu einer Zwangspause verdonnert. „Aber nicht lange. Ich muss was zu friemeln haben. Ich kann einfach nicht abends auf der Couch sitzen und nichts tun“, so Schmitz. Die Püppchen wurden allesamt bereits von Sohn Jörg abgeholt. Derweil strickt Gertrud schon an einem pinken Pullover. Und: Für 2019 sind bereits die ersten 45 Katzen fertig. -Andrea Lemke

SCHAUFENSTER-Artikel vom 10. Februar 2018