Altersarmut-Falle bedroht vor allem Frauen

Auch der Dormagener Sozialbericht bestätigt, dass in unserer Stadt die Altersarmut vorwiegend Frauen betrifft. Knapp 63 Prozent der Betroffenen ab 65 Jahren sind weiblich. 2017 betraf dies 162 Seniorinnen (2015: 131). Bei Männern hingegen waren es nur 97 im vergangenen Jahr, die Leistungsempfänger der Grundsicherung ab 65 Jahren waren. Das heißt, dass diese Menschen ihre Rente mit Sozialhilfe aufstocken, um über die Runden zu kommen.
Für die betroffenen Frauen, deren Rente unter dem Existenzminimum liegt, ist das Leben bestimmt schwerer, als Zahlen es fassen können. Und es ist vermutlich nur die Spitze des Eisberges. Denn zu berücksichtigen ist dabei, dass nicht alle Leistungsberechtigten auch tatsächlich Hilfe beantragen – zum Beispiel, weil sie sich schämen. Wie hoch die Dunkelziffer in Dormagen ist, entzieht sich der genauen Kenntnis. Allgemein wird sie aber sehr viel höher eingeschätzt. Eine, die weiß, wovon sie bei diesem Thema spricht, ist Claudia Manousek, Leiterin der Dormagener Tafel: „Das Thema ist nicht neu. Daher haben wir bereits vor drei Jahren umstrukturiert. Mittwochs können nun Singles bei uns Lebensmittel beziehen.“ Und das seien vor allem ältere Menschen und vor allem Frauen. „Rund 70 Prozent sind Frauen, die zu uns kommen“, bestätigt Manousek. Altersarmut sei ein riesiges Thema in Dormagen. Die Geschichten machen betroffen. „Es gibt Frauen, die uns sagen, wenn sie die Tafel nicht hätten, müssten sie von Tütensuppe leben. Und es gibt Frauen, die nehmen sich das Suppengemüse, weil darin drei Sorten enthalten sind. Das heißt, sie können einmal Porree, einmal Möhren sowie einmal Sellerie für sich kochen und haben so drei Mahlzeiten.“ Ein Grund dafür seien beispielsweise auch hohe Mieten. „Viele unserer Kunden können einfach nicht mehr umziehen, altersbedingt, oder aber sie wollen aus ihrem bekannten Umfeld verständlicherweise nicht ausziehen, und dann geht der meiste Teil des Geldes für Miete drauf“, erklärt Manousek die verfahrene Situation dieser Menschen. Bei der Tafel bekommen Frauen wie Männer, die Leistungsempfänger sind und das auch beweisen können, ihr Essen. Aber es gibt auch diejenigen, die eben nicht zum Amt gehen, vor allem aus Scham. „Auch diese Menschen kommen zu uns. Aber wir dürfen ihnen nichts geben. Gleichwohl haben wir auch eine Lösung. Wir arbeiten eng mit den Sozialverbänden zusammen. Wenn die uns bestätigen, dass diese Person hilfsbedürftig ist, dann kann sie bei uns für eine gewisse Zeit einkaufen“, erklärt die Tafel-Chefin. Sie und ihre Mitarbeiter versuchten auch darauf hinzuwirken, dass diese Menschen zum Amt gehen und sich helfen lassen. (Mehr zur Tafel siehe auf Seite 3.) Auch für die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dormagen, Anja Hain, ist das Thema nicht neu. Sie rät Frauen daher dringend sich ihre Versorgungslücken beim Rentenversicherungsträger aufzeigen zu lassen. „Wenn man dann weiß, um was es geht, sollte man handeln. Das heißt, aktiv werden und rechtzeitig entgegen steuern“, so Hain. Entgegensteuern heißt in diesem Fall, sich um seine Altersvorsorge zu kümmern. „Frauen sprechen aber immer noch nicht über Geld oder Altersvorsorge. Das ist aber immens wichtig, um im Alter eben nicht in die Versorgungslücke zu tappen“, appelliert Hain. Sie rät Frauen sich an die Verbraucherzentrale zu wenden. „Dort wird unabhängig zum Thema beraten“, so Hain. – Andrea Lemke

Armut hat viele Facetten. Nicht jede ist so offensichtlich wie die Obdachlosigkeit. Foto: Andrea Lemke