Mehr Natur geht nicht

Jakob Fischer, Graf Althans Reneklode, Peter Broich oder die Köstliche von Charneux sowie Clapps Liebling, sind weder Pseudonyme für ein Partnersuchportal, noch wahre Menschen. Vielmehr handelt es sich um Obstsorten wie Birne, Apfel oder Pflaume.

Aufgrund veränderter Verbrauchergewohnheiten wurden Obstwiesen im Laufe der Jahre immer weniger. Dass sich dies im gesamten Rhein-Kreis Neuss und auch in Dormagen geändert hat, ist unter anderem dem „Haus der Natur – Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss“ zu verdanken, die sich mit der Obstwiesen-Initiative ganz der dauerhafte Erhaltung des „grünen Kulturgutes“ Obstwiese verschrieben hat. Nur ein Projekt im Übrigen dieser Einrichtung. Besonders im Fokus der Obstwiesen-Initiative stehen alte Obstsorten. Die erste Obstwiese der Einrichtung wurde bereits 2001 am Werther Hof bei Hackenbroich angepflanzt. Seither sind zahlreiche gefolgt. Mittlerweile blühen im Frühjahr die Obstbäume im Straberger Broich, auf dem Gelände des Klosters Knechtsteden oder auch entlang des Holzweges. Fast 2.000 Bäume betreut die Biologische Station im gesamten Kreisgebiet, „fast 900 davon auf Dormagener Gebiet“, erzählt Thomas Braun, Diplom-Landschafsökologe, dessen Baby die Initiative ist. „Unsere Obstwiesen werden naturnah bewirtschaftet, hier wird nichts gespritzt. Viele Sorten sind bereits Bio-zertifiziert, für andere steht dieses Siegel in Kürze an“, verrät er. Im Moment ist Erntezeit bei Äpfeln, Birnen und Zwetschgen. Die Obstbäume haben auch unter der Trockenheit des Sommers gelitten. „Vereinzelte Äste sind dadurch ausgetrocknet und unter der Last des Obstes einfach abgebrochen. Zum Schutz haben die Bäume auch viel Obst abgeworfen“, erklärt der Fachmann. Doch es ist noch genug da für den Verkauf, der beispielsweise in Knechtsteden in einem roten Häuschen direkt am Parkplatz mittwochs und donnerstags von 9 bis 13 Uhr und samstags von 12.30 bis 15.30 Uhr sowie sonntags von 11.30 bis 14.30 Uhr seine Pforten öffnet. Dort können Natur-Fans sich über seltene Sorten wie den Danziger Kantapfel, der tatsächlich eine Kante hat, den Berlepsch, dem Dülmener Herbstrosenapfel, den Peter Broich-Apfel oder die Köstliche von Charneux, eine Birne, freuen, die dort verkauft werden. Das sind alles Sorten, die zum Teil 100 Jahre und mehr auf dem Buckel haben. Merkmale wie Nutzungszweck, Lagerfähigkeit, Reifezeitpunkt, Geschmacksrichtungen, Obstmenge sowie Baumeigenschaften haben bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts eine Fülle verschiedener Sorten entstehen lassen. So hat beispielsweise der Generalvikar von Ramrath, ein gewisser Herr Schumacher, dafür gesorgt, dass sich der von ihm gezüchtete Peter Broich-Apfel verbreitete. Ein großer Teil dieser alten Obstsorten verlor nach und nach an Bedeutung, da sich der Obstmarkt vom lokalen Handel immer mehr in Richtung internationaler Vermarktung entwickelte. Die rein an optischen Merkmalen orientierten Qualitätsstandards der EU trugen weiter zum Verschwinden altbewährter Sorten bei. Die Biologische Station setzt mit ihrer Obstwiesen-Initiative einen „leckeren “ Gegentrend. -Andrea Lemke

Die Biologische Station verkauft in Knechtsteden Obst, das direkt von der Obstwiese kommt. Foto: A. Lemke

Dormagen: Trauriges Stadtbild an der nördlichen „Kö“

Der nördliche Eingang der Kölner Straße (Kö) bietet stellenweise mehr als ein trauriges Bild. Das Entrée zur Innenstadt wirkt verwahrlost, vermüllt und lieblos. Nicht in allen Teilen, aber in vielen Bereichen. Es gibt zwar auch tolle Beispiele, die sind aber in der Unterzahl.
Es ist quasi die Haustüre der Innenstadt und schon Tante Erna wusste, dass ein gepflegter und schöner Eingang zu den eigenen vier Wänden einen guten ersten Eindruck beim Besucher hinterlässt. Tante Erna war da durchaus schlauer, als mancher Ladeninhaber oder die Stadt. Es scheint fast so, als ob es niemanden interessiere, wie es im Norden der Kölner Straße aussieht. Schon mehrfach wurde die Redaktion auf den desolaten Zustand aufmerksam gemacht und hat sich daher am vergangenen Mittwochmittag auf den Weg gemacht. Die aufgenommenen Bilder zeigen: Die Leute haben nicht übertrieben. Kabel, die kreativ verlegt werden, ein Brunnen, in dem kein Wasser mehr sprudelt, überfüllte Mülleimer, Schmierereien, Zigarettenkippen, Autos, die dort verbotenerweise länger parken, laut Anwohner fast täglich, versiffte Stromkästen, und und und. Ein schöner Eingang sieht anders aus. Für viele Ladeninhaber, aber auch Besucher und auch Anwohner ist der Anblick in weiten Teilen trostlos, obwohl es dort durchaus auch leuchtende Beispiele gibt. Das sind dann diejenigen, die dafür sorgen, dass es vor ihren Geschäften ordentlich aussieht oder die, die ihr Augenmerk auf ein schönes Schaufenster legen. Die anderen könnten sich an ihnen oder am Paul-Wierich-Platz ein Beispiel nehmen. Dort sorgt ein älterer italienischer Mitbürger in Eigeninitiative für ein sauberes Erscheinungsbild. Sechs Tage die Woche steht er morgens bereits ab 5 Uhr parat und reinigt die Kölner Straße ab Ring-Center bis fast zur Rathaus-Galerie. Damit unterstützt er den von der Stadt beauftragten Reinigungsdienst der EGN, der dort dreimal die Woche sowieso kehrt. Der Müll kommt nicht von alleine. Es sind die Besucher, die vieles einfach achtlos wegwerfen, aber auch Vandalen, die mutwillig Dinge zerstören. „Vielleicht wäre es eine gute Idee das personell aufgestockte Ordnungsamt öfters auf die nördliche Kö zu entsenden?“, regt ein Innenstadtbewohner an. -Andrea Lemke

Verbeulte Regenrinne, Seite an Seite mit Graffiti bieten keinen schönen Anblick. Foto: A. Lemke

„Teppichverkäuferin“ nimmt Oma aus

Am vergangenen Mittwoch, 5. September, klingelte es bei  einer 80-jährigen Seniorin  in der Dormagener Innenstadt. Vor der Haustür stand eine unbekannte Frau. Während der herzlichen Begrüßung durch die Unbekannte, gelang es ihr sich das Vertrauen der älteren Dame zu erschleichen. Im weiteren Gespräch schaffte es die Verdächtige, der Seniorin einen angeblich hochwertigen Teppich zu einem  sogenannten Schnäppchenpreis zu verkaufen. Überrumpelt durch das forsche Auftreten der Betrügerin, ging die Seniorin auf das Angebot ein. Gemeinsam mit der Unbekannten, sowie einer weiteren Frau, die in einem Auto vor der Haustür gewartet hatte, fuhren sie zu einem Geldinstitut an der Kölner Straße. Dort hob die Dormagenerin am Geldautomaten den geforderten Bargeldbetrag ab und übergab es dem betrügerischen Duo, das sodann verschwand. Die Seniorin blieb auf einem Teppich von minderwertiger Qualität sitzen, der bei weitem den bezahlten Preis nicht wert ist.

Die Polizei sucht nun nach den beiden Damen: Die Frau an der Haustür war von kleiner dicklicher Statur, etwa 60 bis 70 Jahre alt und hatte graue kurze Haare. Von der Frau im Auto ist lediglich bekannt, dass sie ungefähr 40 bis 45 Jahre alt war und dunkelblonde mittellange Haare hatte. Zum Auto, das das Duo benutzt hatte, ist nichts bekannt. Hinweise nehmen die Beamten unter Tel. 02131/3000 entgegen. -sf/ale