Buntes Leben in Flüchtlingsunterkunft

Zurzeit leben rund 780 Menschen bei uns, die ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben. Dank der Hilfe von Ehrenamtlichen, die sich im Café „Grenzenlos“ in Delhoven engagieren, haben es einige von ihnen bereits geschafft, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Das Team kümmert sich engagiert um die Menschen in der Flüchtlingsunterkunft im Ort. Dort leben zurzeit Menschen aus 15 verschiedenen Ländern.
Am vergangenen Samstag (27. Oktober) herrschte richtig Trubel in der Flüchtlingsunterkunft am Walter-Reuber-Weg. Eine Familie aus Neuguinea feierte nicht nur die Geburt ihres Kindes, sondern gleich auch den ersten Geburtstag ihrer Tochter. Entsprechend voll war es auf der ersten Etage in der kleinen Wohnung. Überall hingen Luftballons, Musik ertönte aus den Lautsprechern, ein junger Mann tanzte, ein Mädchen in einem Kleid ebenfalls. Über allem hing der Duft von gebackenen Bananen und Hühnchen. Die Stimmung: sehr fröhlich.
Julia Joosten wird überall mit Handschlag begrüßt. Sie kümmert sich genau wie ihr Vater Emile und ein Team von rund 13 Personen ehrenamtlich um die Flüchtlinge. Jeden Donnerstag von 17 bis 18.15 Uhr bieten sie in der „Alten Kirche“ an der Hauptstraße ein Café „Grenzenlos“ an, eines von acht, die es in ganz Dormagen gibt. Dort lernen die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Deutsch und können Fragen stellen. Das freiwillige Angebot, das die meisten neben den regulären Deutschkursen gerne annehmen, zeigt Wirkung. Die Kinder sprechen fast alle sehr gutes Deutsch, die Frauen hinken etwas hinterher, können sich aber schon gut verständlich machen. Die meisten Männer sprechen auch schon Deutsch; Englisch oder Französisch sowieso.
Emile und Julia werden nicht nur herzlich begrüßt, sie werden auch geschätzt. „Wir begegnen uns hier auf Augenhöhe und wir respektieren jeden Menschen und seine Geschichte“, so Emile. Die Geschichten, die sind zum Teil schlimm. Frauen, die ihre Männer auf der Flucht verloren haben. Kinder, die auf der Flucht Strecken von über 3.000 Kilometer zu Fuß gegangen sind, so zum Beispiel auch die zwei Kinder aus dem Erdgeschoss. Yalda (13) und Sedra (11). Ihre Mutter hatte sich mit ihren acht Kindern allein auf den Weg in Richtung Deutschland gemacht. Da waren die beiden Mädchen elf und neun Jahre alt. „Wir hatten viel Angst unterwegs“, erzählen sie. Durch den langen Fußmarsch, der sie durch mehrere Länder geführt hat, sprechen sie heute fünf Sprachen, wenn auch nicht perfekt. Deutsch hingegen sprechen beide flüssig und Yalda besucht die sechste Klasse des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums. Dort sind ihre Lieblingsfächer Mathe und Englisch. „Sie ist richtig ehrgeizig und eine gute Schülerin“, sagt Julia, die viele Kinder der Flüchtlingsunterkunft bei Hausaufgaben unterstützt und deren Motto lautet: „Jeder Mensch hat es verdient in die Gesellschaft aufgenommen zu werden und zwar mit den gleichen Rechten.“ „Sie sollen sich hier genauso wohlfühlen, wie wir. Daher engagiere ich mich super gerne“, sagt die 23-Jährige. Erfolgreich sind auch die Herren, die in der Flüchtlingsunterkunft leben. Eine Wohngemeinschaft, ebenfalls im Erdgeschoss, beherbergt gleich elf Männer aus Eritrea. Fünf von ihnen konnten, dank guter Kontakte von Joosten, bereits einen Job ergattern. Am Montag, 5. November, wird es dann für drei weitere von ihnen ernst. „Sie freuen sich schon richtig darauf, denn dann wird ihr Alltag strukturiert und sie werden gebraucht“, so Emile. Mittlerweile stößt das Team des Cafés „Grenzenlos“ an die Grenzen des Machbaren. Der „Deutschunterricht“ in der „Alten Kirche“ ist sehr gut besucht, sogar von Flüchtlingen aus anderen Unterkünften. Daher sucht das Team noch Unterstützung, hat gerade weit über 500 Flyer im Ort verteilt. „Jeder, der sich engagieren möchte, ist herzlich bei uns im Team willkommen“, so Julia. Jeder, der dort ehrenamtlich helfen möchte, werde seinen Stärken entsprechend eingesetzt, verspricht Emile. „Angelika Albrecht zum Beispiel wollte gerne mit Kindern arbeiten. Wenn die Mütter zu unserem Deutschunterricht kommen, kümmert sie sich nun um die Kleinen und vermittelt auch erste Wörter“, berichtet Emile. -Anrea Lemke
———————————
Info: In Dormagen leben zurzeit 1.353 Flüchtlinge (Stand 24. Oktober). In der Flüchtlingsunterkunft am Walter-Reuber-Weg leben Menschen aus dem Irak, Iran, aus Afghanistan, Somalia, Eritrea, Tadshikistian, Syrien, Nigeria, Russland, Aserbaidschan, aus der Ukraine, Ghana, Sri Lanka, aus dem Kosovo sowie aus Neuguinea. Wer diesen Menschen beim Sprachunterricht helfen, sie bei der Bearbeitung von Dokumenten unterstützen oder bei der Jobvermittlung helfen möchte, kann sich unter Tel. 0151/51 08 21 58 melden.

„Eine bunte, freundliche Welt“: Emile (l.), Julia Joosten (hinten 7.v.r.) und die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft am Walter-Reuber-Weg.
Foto: Andrea Lemke

CDU hat Finanzen im Blick

Die CDU Dormagen hat sich vergangenes Wochenende (27./28. Oktober) zu einer Klausurtagung in Rösrath zurückgezogen. Im Mittelpunkt stand dabei für die Christdemokraten ein ausgeglichener Haushalt. „Als größte Fraktion im Rat der Stadt Dormagen ist es unser Anspruch, verantwortlich mit dem Geld der Steuerzahler umzugehen und einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen“ so erklärte Fraktionsvorsitzender Kai Weber den Grundsatz der diesjährigen Klausurtagung der CDU-Fraktion.
„Wir begrüßen es, dass die Verwaltung auf unseren Vorschlag hin einen Entwurf für einen Doppelhaushalt für die Jahre 2019/20 vorgelegt hat und gehen diesen grundsätzlich mit“, so Weber. „Allerdings sind die Maßnahmen im Rahmen der Personalausstattung vollkommen am Ziel vorbei.“ Fraktionsvize Jo Deußen sieht etwa keine Notwendigkeit für drei zusätzliche Mitarbeiter im Fachbereich Integration. „Im Fachbereich Integration sehen wir als CDU-Fraktion zunächst einmal den Bedarf, die bereits laufenden Maßnahmen zu evaluieren“, so Deußen. Die CDU sieht auch den Verwaltungsvorschlag, drei Schulsozialarbeiter zu übernehmen, kritisch, ebenso wie eine zusätzliche Stelle einer Fachberaterin für die Offene Ganztagsschule. „Diese Aufgabe kann durch die Kita-Koordinatorin übernommen werden“, erklärte Carola Westerheide, schulpolitische Sprecherin der CDU. „Wir fordern den Bürgermeister auf, endlich den festen Willen zu zeigen, die Personalkosten der Stadt in den Griff zu bekommen“, sagte Rüdiger Westerheide als finanzpolitischer Sprecher. Bei den einzelnen Budgets hat die CDU Fraktion auch eigene Gestaltungsideen. So soll zum Beispiel auf dem Helmut-Schmidt-Platz in den nächsten Jahren der erste inklusive Sport- und Spieplatz entstehen. Hierfür will die CDU in den beiden kommenden Jahren 100.000 Euro an städtischen Eigenmitteln veranschlagen, da sie von einer Förderung ausgeht. Im Fokus stünden zudem Gelder für die Instandsetzung der Spielplätze (20.000 Euro), die Erneuerung von Straßendecken (Anhebung auf 500.000 Euro) oder die Sanierung von Wirtschaftswegen (Erhöhung um 50.000 Euro). Weitere Mittel sollen in die Ertüchtigung der „Kulle“ zu einem Programmkino mit multifunktionaler Nutzung für weitere Veranstaltungen (Eigenanteil Stadt 10.000 Euro) fließen sowie in eine Machbarkeitsstudie für einen Anbau an die Feuerwache Kieler Straße zur Schaffung von Sozialräumen für den Rettungsdienst.
Da die Anzahl der Flüchtlinge in städtischen Unterkünften immer weiter zurückgehe, fordert die Fraktion im ersten Halbjahr 2019 zudem die Schließung der städtischen Gemeinschaftssunterkunft in Rheinfeld. Mehr Infos im Netz auf www.cdu-dormagen.de. -sf/ale

Eltern haben die Nase voll

Lange haben die Kinder der Kindertagesstätte (Kita) „St. Josef“ auf ihr Außengelände aufgrund eines Erweiterungsbaus verzichtet. Doch nun reicht es den Eltern. Ihre Kinder sollen endlich wieder ein schönen Außenplatz zum Spielen haben – ohne Gefahren.
Die Kita wurde in der Vergangenheit auf fünf Gruppen erweitert. Dafür mussten die Kinder und Eltern verständlicherweise einige Einschränkungen in Kauf nehmen. Nun aber ist der Anbau fertig, doch das Außengelände wurde in einem desolaten Zustand zurück gelassen. In einem offenen Brief wand sich daher der Elternrat der Kita am 23. Oktober an Bürgermeister Erik Lierenfeld. „Hauptsache das Gebäude steht, die Gruppen sind eröffnet, alle Rechtsansprüche auf Kitaplätze sind erfüllt, niemand klagt – alles andere ist zweitrangig“, schreibt Sascha Weick für den Elternrat. Weite Teile seien immer noch durch Bauzäune abgesperrt, Schutt, Steine und sogar Scherben seien liegengelassen worden, Fluchtwege verliefen über Paletten oder Teppich und eine Ersatzpflanzung für gefällte Bäume fehle auch, sind einige der Kritikpunkte. „Mit dem Hochziehen des Gebäudes ist der Ausbau nicht abgeschlossen. Ein attraktives Außengelände ist ein essenzieller Bestandteil einer guten Kita“, bringt Weick es auf den Punkt. Der Brief blieb nicht ungelesen. Zwei Tage später schon kam die Antwort aus dem Rathaus. „Was die Situation auf dem Außengelände der Kita St. Josef in Delhoven angeht, sage ich Ihnen geradeheraus: Das ist nicht zufriedenstellend. Mir war der Zustand der Außenanlagen nicht bekannt“, schrieb der Bürgermeister. Er habe sich bereits die Gründe, die zu Verzögerungen bei der Ausführung der Außenanlagen geführt haben, berichten lassen. Demnach sei die Fertigstellung ursprünglich bis zum Ende der Herbstferien angedacht gewesen. Verzögerungen bei der Bauausführung sowie die starke Auslastung von Garten- und Landschaftsbaufirmen hätten letztlich zu der gegenwärtigen Situation geführt. Am vergangenen Mittwoch hat sich Lierenfeld auch selbst ein Bild von der Lage vor Ort gemacht. Das Ergebnis war bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Über die schnelle Antwort hat sich der Elternrat gefreut. „Letztlich sind die genauen Gründe für uns zweitrangig. Wichtiger ist für uns, dass der monatelange Stillstand nun hoffentlich ein Ende hat“, erklärte Weick. -Andrea Lemke

Bauzäune und Schutt vermiesen zurzeit den Kindern das Spielen auf dem Außengelände.
Foto: privat