„Ich bin für erneuerbare Energien“ – ein Interview mit Klemens Diekmann

Der Geschäftsführer der „energieversorgung dormagen GmbH“ (evd) hat eine klare Haltung zu erneuerbaren Energien, aber auch zu den Atomkraftwerken in Belgien oder Frankreich.

SCHAUFENSTER: Guten Tag Herr Diekmann! Zurzeit gibt es ja heftige Diskussionen über den Braunkohleausstieg, was vor allem die Demonstrationen der vergangenen Wochen im Hambacher Forst gezeigt haben. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?
Klemens Diekmann: Die Proteste zeigen, dass das Bewusstsein für Umwelt- und Naturschutz in der Bevölkerung eine große Rolle spielt. Das ist sehr positiv.
SF: Was halten Sie von der aktuellen Debatte über den Braunkohleausstieg?
KD: Die Debatte ist wichtig und richtig – die Energiewende kann nur gelingen, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien weiter vorangetrieben wird. Um die Klimaziele zu erreichen, muss aber mehr getan werden, als nur von Braunkohle Abstand zu nehmen. Hier sind vor allem Kommunen und kommunale Versorger gefragt, als gutes Beispiel voranzugehen. Mit der Verpachtung von Solaranlagen an Privatkunden und Gewerbe ermöglichen wir den Dormagenern, mit einem geringen monatlichen Betrag und ohne Investitionskosten die Energiewende vor Ort mitzugestalten. Viele kleine Maßnahmen ergeben am Ende auch ein großes Ganzes.
SF: Wie war und ist denn der Stand der Erzeugungsanlagen in Dormagen, zu denen zum Beispiel auch Photovoltaikanlagen auf Hausdächern gehören?
KD: Sagen wir mal so. Als ich hier neu war und mir die Einwohneranzahl im Verhältnis zu den Photovoltaikanlagen angeschaut habe, ist mir erst einmal die Kinnlade herunter gefallen. Da gab es noch viel Potenzial und gibt es auch heute noch. Ich bin für erneuerbare Energien. Als evd wollen wir hierzu gerne auch unseren Beitrag vor Ort leisten, das bedeutet nach dem Motto ,die Energiewende ist dezentral’, also vor Ort, möglichst weitere Erzeugungsanlagen in Form von Photovoltaik oder Blockkraftheizwerken zu realisieren. Wir beraten da gerne.
SF: Kommen wir noch einmal zurück auf die Braunkohlekraftwerke. Was sagen Sie persönlich dazu, dass die „dreckigsten“ Kraftwerke keine 50 Kilometer vor unserer Haustür stehen?
KD: NRW ist traditionell ein Industrieland mit vielen Zechen und Kohlekraftwerken, die uns jahrzehntelang zuverlässig mit Energie versorgt haben und ja auch Arbeitsplätze bedeuten. Bezüglich der räumlichen Nähe beunruhigen mich da viel stärker die Atomkraftwerke in Belgien und Frankreich.
SF: Hätte es konkrete Auswirkungen auf die Dormagener Stromkunden, wenn es keine Braunkohlekraftwerke gebe?
KD: Wenn sämtliche neue Anlagen, Speicher und Netzneubauten Realität sind und die Braunkohlekraftwerke abgeschaltet sind, wird sich die Versorgungssicherheit für Dormagen nicht spürbar ändern. In Dormagen hat die evd mit dem Bau eines sechs Hektar großen Solarparks, einen großen Schritt in Richtung dezentrale Erzeugung vor Ort gemacht.
SF: Können Sie dem Dormagener auf ganz einfache Art und Weise erklären, wie sich der aktuelle Strompreis der evd zusammensetzt?
KD: Der Strompreis der evd (und aller anderen Stromlieferanten) setzt sich aus drei wesentlichen Bestandteilen zusammen: Die Steuern, Abgaben und Umlagen zum Beispiel Stromsteuer und EEG-Umlage machen etwa 55 Prozent des Strompreises aus. Etwa 24 Prozent des Strompreises machen die Kosten für die Netzinfrastruktur, also für die Übertragung und die Verteilung, aus (Regulierte Preise). Dabei wird deutlich, dass die evd rund 80 Prozent des Strompreises gar nicht beeinflussen kann. Nur etwa 21 Prozent des Strompreises machen die Kosten für die Beschaffung, unsere eigenen Kosten und letztlich auch unsere Marge aus. -ale

Klemens Diekmann würde gerne mehr erneuerbare Energien in Dormagen produzieren. Foto: A. Lemke