Krötensterben an der Nievenheimer Straße

Sie sieht aus wie eine Todesstraße, die Nievenheimer Straße, die von der B9 vorbei am Naturschutzgebiet Zonser Heide entlang in Richtung Zollfeste führt. Grund: Sie ist gepflastert mit toten Kröten.

„Durchfahrt verboten“ steht auf einem Schild in Höhe der Zonser Heide. Ab diesem Schild bietet sich Spaziergängern ein Bild des Grauens. Zahlreiche Kröten, vor allem Erdkröten, sind offenbar überfahren worden, anderen fehlen Beine oder sie weisen massive Verletzungen auf. Auffallend sind vor allem die Tiere, die aussehen, als ob sie leben würden, aber tot sind. Vor Ort zählte das SCHAUFENSTER weit mehr als 100 tote Kröten. Was ist an der Nievenheimer Straße passiert? Zur Zeit sind die Kröten wieder auf Wanderschaft. Sie wollen in den umliegenden Gewässern laichen. Die Vermutung eines Lesers, dass dort jemand ein „Krötenmassaker“ angerichtet hat, bestätigt das Kreisveterinäramt nicht. „Wir gehen nicht von einer Fremdeinwirkung aus“, teilte Benjamin Josephs von der Pressestelle des Kreises mit. Allerdings hat sich das Kreisveterinärsamt gleich zweimal ein Bild vor Ort gemacht. Bei der Begehung am Mittwoch wurden drei Kröten eingesammelt, die nun obduziert werden, um festzustellen, was genau mit den Tieren passiert ist. Michael Stevens von der Biologischen Station geht davon aus, dass die Tiere tatsächlich Opfer von Fahrzeugen sind. „Wenn ein Auto schon mit 30 Stundenkilometern an einer Kröte vorbeifährt, erzeugt das einen so hohen Luftdruck, dass dem Tier die Lunge platzt.“ Das würde für die zahlreichen toten Tiere sprechen, die äußerlich keine Verletzungen aufweisen. Von einem Tierquäler geht der Fachmann nicht aus. Eigentlich darf außer landwirtschaftlichem Verkehr an dieser Stelle niemand mit seinem Fahrzeug entlang fahren. Diejenigen, die dies verbotenerweise dennoch machen, nehmen so in Kauf zahlreiche Kröten und Frösche zu töten. Stevens ist sich sicher, dass bereits jetzt rund 80 bis 90 Prozent der Kröten in den Gewässern zum Ablaichen sind. Allerdings wusste er zu berichten, dass die Stadt dennoch nun ein Verbotsschild an der Nievenheimer Straße aufstellen will, um keine weiteren toten Kröten zu riskieren. Dies wird vermutlich nach dem Wochenende geschehen, denn bei Frosttemperaturen wandern die Amphibien nicht. Für die über 100 toten Tiere kommt diese Maßnahme allerdings deutlich zu spät. -Andrea Lemke

Die Nievenheimer Straße ist voller toter Kröten. Ein Massaker steckt nicht dahinter. Foto: Andrea Lemke

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Autofahrer können während der Krötenwanderung auch mit Tieren an der L280, zwischen Delhoven und Anstel (vor allem am Wald), an der K12 in Höhe der Baggerseen und auch auf der Landstraße zwischen Knechtsteden und Straberg rechnen.