Leben in Dormagen – Tod in der Heimat

Obwohl viele Muslime zum Teil jahrzehntelang in Deutschland gelebt haben, wünschen sie sich als Ort für ihre letzte Ruhe die ehemalige Heimat. Daher werden viele nach ihrem Tod genau dorthin überführt. Das scheint in Dormagen genauso zu sein.
Alleine rund 2.000 türkische Staatsangehörige leben zur Zeit in Dormagen. Das extra eingerichtete Grabfeld für Muslime auf dem Dormagener Friedhof nicht unweit von der kleinen Trauerkapelle nutzen sie kaum. 13 türkische Mitbürger wurden bis dato laut Aussage der Stadt dort bestattet. Insgesamt liegen aber dort 33 Muslime, vorwiegend Kinder. Auch die Zahl der in Dormagen lebenden Muslime ist deutlich höher. Mehmet Güneysu, Vorsitzender des Integrationsrates, kennt die Zahl zwar auch nicht genau, ist sich aber sicher, dass schon alleine noch 2.000 Deutsche mit türkischen Wurzeln hinzuzurechnen sind.
Dass auf dem Dormagener Friedhof eine islamkonforme Bestattung durchgeführt werden kann, ist der Überarbeitung des Bestattungsgesetzes zu verdanken und letztendlich der Satzung für Friedhöfe in der Stadt Dormagen. Demnach sind die Grabstätten dieses Feldes gemäß dem islamischen Bestattungsritus nach Mekka ausgerichtet. Rituelle Waschungen und die Aufbahrung zum Totengebet sind laut dieser Satzung ebenfalls möglich. Vor allem aber bedeutet eine islamkonforme Bestattung eine Beerdigung ohne Sarg. Dazu muss zwar ein Antrag gestellt werden, dem wird aber in aller Regel stattgegeben. Für viele Türken ist aber die Überführung in die Heimat der letzte Wunsch. Dafür zahlen viele zum Beispiel eine Jahresgebühr an den Verein DITIB – Zentrum für Soziale Unterstützung – der seit vergangenem Jahr auch in Dormagen an der Koloniestraße beheimatet ist. Auf Anfrage erklärte der Verein, dass mit diesem Jahresbeitrag die Rückführung samt Überführungskosten, Gebühren des Standesamtes und des Konsulates abgegolten sind. Warum Muslime sich lieber in der Heimat bestatten lassen wollen, erklärt Güneysu so: „Das ist vor allem eine emotionale Entscheidung. Die Seele geht unserem Glauben nach zu Gott, von daher ist es eigentlich unwichtig, wo der Körper liegt.“ Ihm selber ist es egal, wo er bestattet wird, das soll seine Frau entscheiden. Er geht aber davon aus, dass er seine letzte Ruhe in Dormagen finden wird. -Andrea Lemke

Auf dem Dormagener Friedhof an der Mathias-Giesen-Straße gibt es ein „Muslimisches Grabfeld“, das aber nicht stark genutzt wird. Foto: ale

 

 

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